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mindfulness based stress reduction (MBSR)

Dorothea macht einen achtwöchigen MBSR-Kurs bei der Meditationslehrerin Chantek McNeilage in London. Frau McNeilage arbeitet am „Centre for Mindfulness Research and Practice“ (Zentrum für Achtsamkeit – Forschung und Praxis) an der Bangor University in Wales, wo die Lehre der „Mindfulness-Based Stress Reduction“ (Achtsamkeits basierte Stressreduzierung) gelehrt und gelernt wird. Nach dieser Meditationsform, die von Jon Kabat-Zinn entdeckt wurde, kommt es darauf an sich seinem eigenen Selbst zuzuwenden. Man konzentriert sich zuerst auf nur einen inneren Punkt, nur einen Gedanken, um dem Stress im Alltag zu entkommen und sich selbst besser kennen- und akzeptieren zu lernen. Die Aufmerksamkeit/Achtsamkeit wird nach Innen gelenkt.

Chantek McNeilage
Chantek McNeilage

Hintergrundinformation Meditation und Depression,  Artikel des Schwäbischen Tagblatts
An der Universität Tübingen wird im Rahmen eines Forschungsprojekts eine Gruppentherapie zur Vorbeugung von wiederkehrenden Depressionen kostenlos angeboten.

Tübingen. Depression ist zur Volkskrankheit geworden: Rund 20 Prozent der deutschen Bevölkerung erleiden mindestens einmal im Leben eine depressive Phase. „Und bei vielen kommt sie immer wieder – es sei denn, sie ändern etwas an ihren Lebensumständen und ihrem Umgang mit der Depression“, betont Vladimir Bostanov. „Dafür müssen wir aber die Wurzeln des Leidens und die Quellen von Glück und Freude in uns selbst finden“, erklärt der Wissenschaftler von der Uni Tübingen.

Negatives Denken und das Grübeln über emotionale Probleme sind typisch für Menschen, die immer wieder in Depressionen fallen. Gerade für solche Menschen ist die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (MBCT, vom englischen: mindfulness-based cognitive therapy) entwickelt worden. MBCT ist eine achtwöchige Gruppentherapie mit einem sehr hohen Trainingsanteil. Denn zwischen den Wochensitzungen sollen die Klienten jeden Tag 45 Minuten ein selbständig Übungsprogramm absolvieren. „Klinische Studien haben gezeigt, dass MBCT das Risiko eines Rückfalls um die Hälfte reduziert.“

Die Grundfähigkeit, die in einem MBCT-Kurs entwickelt wird, ist die Achtsamkeit: Die Fähigkeit, die eigene Aufmerksamkeit ausschließlich auf die direkte Erfahrung des Augenblicks zu richten, ohne das Erlebte als gut oder schlecht zu bewerten.

„Im Alltag funktionieren wir nach bestimmten Verhaltens- und Gedankenmustern, ohne dass es uns überhaupt bewusst wird, wie sehr unsere Reaktionen automatisiert und vorprogrammiert sind.“ Der Frust über die eigenen Fehler führt depressive Menschen in einen Teufelskreis, aus dem sie nur schwer heraus finden. „Wir reagieren mit Ablehnung, Widerstand oder Resignation und verstärken dadurch dieselben Muster, die wir eigentlich ändern wollen“, erklärt Bostanov.

An der Universität Tübingen laufen seit fast vier Jahren wissenschaftliche Studien zu den Wirkmechanismen von MBCT unter der Leitung von Martin Hautzinger (Psychologisches Institut) und Boris Kotchoubey (Institut für medizinische Psychologie). Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert. Bisher haben schon mehr als 70 Menschen daran teilgenommen und die Forscher konnten feststellen, dass bestimmte Hirnströme der TeilnehmerInnen durch das MBCT-Training verstärkt werden. „Es wird angenommen, dass die Verstärkung dieser Hirnströme eine stabilere Achtsamkeit widerspiegelt, insbesondere die Resistenz gegen negative Gedanken und Grübeln“, sagt Bostanov. Diese Hypothese wird jetzt in einer neuen Phase des Projekts genauer geprüft.

Dr. Vladimir Bostanov
Dr. Vladimir Bostanov